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Empfehlungen zur Beikost

Das Thema Beikost ist ein heiß diskutiertes - wir möchten Sie an dieser Stelle über aktuelle Empfehlungen dazu informieren. Sie finden die internationalen Empfehlungen sowie eine Zusammenfassung der Situation in Österreich, der Schweiz und Deutschland.
NEU: Eine Auseinandersetzung mit dem Thema "Baby-led weaning", zu deutsch "Beikost nach Bedarf".
 

 

Überblick
 
Es besteht zwischenzeitlich ein weitgehender internationaler und nationaler Konsens über den empfohlenen Zeitpunkt der Beikosteinführung: Ausschließliches Stillen für ungefähr ein halbes Jahr ist wünschenswert und sinnvoll, geeignete Beikost soll frühestens ab dem 5. Lebensmonat und spätestens ab dem 7. Lebensmonat dem Kind angeboten werden, wobei parallel weitergestillt werden sollte.
 
Die Formulierung der Empfehlungen sind manchmal etwas verwirrend: anstelle von "ab dem fünften Monat" steht dort häufig "nach dem vierten Monat", was dasselbe meint aber zu Missverständnissen führen kann. Eine eindeutige Kommunikation gegenüber Eltern ist hier hilfreich:
"Ab dem/ im fünften Lebensmonat" und "ab dem/ im siebten Lebensmonat" sind eindeutiger als "nach dem vierten" und "nach dem sechsten Monat".
 
Erfreulicherweise wird heute in den meisten Empfehlungen betont, dass Kinder individuelle Zeichen für ihre Bereitschaft zur Beikosteinführung zeigen und dass diese vorrangig beachtet werden sollten. Auf diese Weise wird der Blick von starren Altersangaben und einem festen Schema verlagert hin zu einem individuellen Eingehen auf das Kind und sein ihm eigenes Entwicklungstempo.
 
Die Europäischen Empfehlungen der ESPGHAN-Experten (European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) lauten im → Medical Position Paper 2009:
"Ausschließliches Stillen für sechs Monate ist ein wünschenswertes Ziel."
 
Die WHO (World Health Organization) empfiehlt unverändert, ungefähr 6 Monate ausschließlich zu stillen und dann unter Einführung einer angemessenen Beikost weiterzustillen, wobei sie relativ strikt formuliert: "ab 6 Monaten" sollte Beikost eingeführt werden.
 
Zum Nachlesen für Sie selbt sowie für Ihre praktische Arbeit mit Eltern haben wir Ihnen im Folgenden etliche Materialien übersichtlich zusammengestellt, die bei Bedarf auch ergänzt werden.

 

Österreich
 
In Österreich gibt es das Projekt → "Richtig essen von Anfang an" (Träger: Gesundheitsministerium, AGES, Hauptverband der Sozialversicherungsträger). Das Projekt ist eingebunden in den Maßnahmenkatalog des → Nationalen Aktionsplans Ernährung (NAP.e), der jährlich aktualisiert wird.
 
Im Dezember 2010 veröffentlichte das Projekt die → Österreichischen Beikostempfehlungen. Nach der Veröffentlichung ergaben sich einige Missverständnisse und Fragen, die in einem → gemeinsamen Brief der Projektträger, der Stillkommission und des Verbands der österreichischen Still- und Laktationsberaterinnen (VSLÖ) erklärt und beantwortet wurden.
Der VSLÖ nahm in einer eigenen → Presseaussendung 2011 noch einmal Stellung zu den Österreichischen Beikostempfehlungen.
 
Vom Projekt "Richtig essen von Anfang an" gibt es auch → Broschüren und Materialien für Eltern in deutsch sowie in anderen Sprachen. Sie können über die Webseite des Projekts kostenlos heruntergeladen und teilweise auch in gedruckter Form bestellt werden.
 

 

Schweiz
 
Auch in der Schweiz gibt es → Empfehlungen zur Ernährung von Säuglingen, die 2009 von der Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie veröffentlicht wurden.
 
 
Deutschland
 
Vergleichbar zum österreichischen Projekt "Richtig essen von Anfang an" gibt es in Deutschland das Projekt → "Gesund ins Leben - Netzwerk Junge Familie". Es vereint die führenden Institutionen, Verbände und Fachgesellschaften die mit Themen rund um junge Familien zu tun haben. Als Teil des → Nationalen Aktionsplans "IN FORM" wird es vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert.
 
2009 veröffentlichte das Netzwerk die → Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter, die 2013 aktualisiert wurden. Sie sind als Konsens der verschiedenen Fachgesellschaften wichtig für eine Vereinheitlichung der Empfehlungen.
 
Das Netzwerk "Gesund ins Leben" bietet viele → Materialien (Broschüren, Poster, Aufkleber, Flyer etc.) für die Arbeit mit Eltern an, die kostenlos in gedruckter Form und zum Download zur Verfügung stehen. Teilweise stehen diese auch in → anderen Sprachen zur Verfügung.
 
Die 2009 überarbeitete → AWMF-Leitlinie zur Allergieprävention hatte zu einigen Missverständnissen und Fehlinterpretationen geführt, die eigentlich mit Erscheinen der Handlungsempfehlungen des Netzwerks ausgeräumt sein sollten, jedoch auch 2012 noch zu vielen Fragen und Diskussionen führte. In der Zeitschrift "Pädiatrische Allergologie" erschien 2012 ein → Artikel von Dr. Matthias Kopp, der diese Missverständnisse explizit aufgriff und erklärte.
 
Die Empfehlungen zur Beikosteinführung sind als allgemeingültige Grundlage gedacht und können nur in begrenztem Umfang die individuellen Unterschiede jeder jungen Familie abbilden. Prof. Dr. med. Michael-Bernhard Krawinkel vom Institut für Ernährungswissenschaften in Gießen stellte 2011 in seinem → Artikel "Vom Nutzen des Stillens" in der Zeitschrift "Kinder- und Jugendmedizin" klar, dass Frauen, die nur kurz stillen, zum Thema Beikost anders beraten werden müssen als Frauen, die sechs Monate ausschließlich stillen und auch nach Einführung der Beikost weiterstillen wollen.
 
Die 2009 veröffentlichten → Hamburger Stillempfehlungen dienten als Grundlage für die 2011 veröffentlichten → Münchner Stillempfehlungen. Beide Dokumente wurden im Konsens verschiedener Berufsgruppen erstellt und enthalten auf Seite 7 Angaben zur Stilldauer und Einführung der Beikost, die sich mit den Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben decken.
 
Der Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL) hat 2011 ein → Informationsblatt für Eltern zum Thema Beikosteinführung herausgegeben, das Sie auch in gedruckter Form beim → BDL-Shop bestellen können.
 
 
Baby-led weaning/ Beikost nach Bedarf
 
Die derzeit gültigen Beikostempfehlungen gehen üblicherweise davon aus, dass dem Baby mit Einführung der Beikost pürierte Kost angeboten wird, die das Baby mit dem Löffel erhält. Dabei wird es gefüttert und greift nicht selbst aktiv nach Nahrung.
Dem gegenüber steht das Konzept der "Beikost nach Bedarf", das dem Baby die Möglichkeit gibt, geeignete stückige Nahrungsmittel selbst zu greifen und zum Mund zu führen. Dieses Konzept fördert die experimentelle, selbstbestimmte Heranführung an Nahrung und betont die sinnliche Komponente des Essens.
 
Simone Lehwald, Hebamme und IBCLC, hat in der Zeitschrift "Hebammenforum 4/2013" einen umfassenden und sehr empfehlenswerten → Artikel "Beikost für Säuglinge - ganz einfach?!" veröffentlicht, der sowohl die traditionelle Beikosteinführung mittels pürierter Nahrung als auch die Möglichkeiten der "Beikost nach Bedarf" näher beleuchtet und die Vorteile und Risiken erläutert.
 
Die Firma Lansinoh hat (basierend auf Simone Lehwalds Artikel) ein übersichtliches → Informationsblatt für Eltern zum Thema "Essen lernen" erstellt, das kostenlos zum Download zur Verfügung steht.